Basiskurs: Themen und Termine

Der Basiskurs hat 8 Module, von denen du 5 bis 8 auswählen kannst. 3 Module sollen als physisches Treffen stattfinden. Ein Modul dauert in der Regel 1,5 Tage (mit ausreichend Pausen).

Aus wie vielen Modulen besteht der Kurs (für dich)?

Beim Basiskurs wird wieder eine feste Gruppe teilnehmen und gemeinsam lernen. Da wir aber wissen, dass nicht alle für jedes Kursmodul Zeit oder Interesse haben, ist es auch möglich, bis zu 3 Module auszulassen. Das Auftakt-Modul ist für alle verpflichtend. Von den verbleibenden 7 musst du also mindestens 4 belegen, um den Kurs erfolgreich zu absolvieren. (Falls das aus triftigen Gründen nicht möglich ist, schreib uns bitte! Am schönsten fänden wir natürlich, wenn möglichst alle 8 oder 7 Module besuchen – aber klar, es gibt auch Kapazitätsgrenzen…)

Eine Besonderheit ist diesmal, dass auch der Besuch des Workshop-Wochenendes Tipping Points als Modul zählt. Welche Kurstage diesmal online stattfinden und welche physisch (Achtung, rechtzeitig Anreise planen!) geplant sind, findest du bei den Beschreibungen unten oder auch in der Modulübersicht.

Ablauf und Methoden

Bei allen Modulen legen wir Wert auf einen Methodenmix, der verschiedene Lerntypen ansprechen soll und Abwechslung bietet (Mischung aus Inputs, interaktiven Übungen, individuellem Arbeiten, Gruppenarbeiten, Diskussionen, …). Dabei ist es uns auch wichtig, auf die unterschiedlichen Erfahrungen der Teilnehmer:innen aufzubauen und verschiedenen Perspektiven auf die besprochenen Themen Platz zu geben. Keines der Module erfordert Vorwissen – manchmal gibt es aber Unterlagen zum zusätzlich/vorab Lesen oder Praxisbeispiele, die ihr aus euren Kontexten mitbringen könnt. Die konkrete Gestaltung der Abläufe liegt an den jeweiligen Referent:innen des Moduls.

Die angewandten Lernmethoden sind

  1. Interaktive Workshops
  2. Unterlagen
  3. Einzelarbeit
  4. Lerntagenücher
  5. Arbeit bzw. Austausch in Bezugsgruppen

Das heißt, du solltest auch zwischen den Modulen immer wieder Zeit einplanen (im Schnitt ca. 2h pro Woche), um Übungen zu machen, zu Reflektieren und dich mit einer Bezugsgruppe auszutauschen. Diese Übungen sind wichtig, damit auch die Anwendung in deinem Kontext gelingt und das Gelernte selbst ausprobiert wird. Die Bezugsgruppen werden in der Starteinheit zusammengestellt.

Einmal im Monat gibt es einen (nicht-verpflichteten) Vertiefungsraum. In diesen offen gestalteten Räumen kannst du in deinem Lerntagebuch arbeiten, Vertiefungsübungen machen, dich mit deiner Bezugsgruppe austauschen oder informell mit den anderen quatschen. Das soll aber vor allem eine Hilfestellung sein, keine zusätzliche Belastung!

Detaillierte Beschreibungen zu den Modulen

M0: Einstieg (Salzburg, 16.10.21)

Worum es geht:
Nach einem informellen ersten zusammenkommen und gemeinsamen Filmschauen am ersten Abend, steigen wir Samstag Vormittag mit einem ausführlichen Kennenlernen in den Kurs ein. Wir klären Erwartungen, bilden Bezugsgruppen und beantworten Fragen, die rund um den Kurs noch bestehen.

Ziele:

  • Die Anreise ist am Vortag möglich, wir werden gemeinsam Film schauen
  • Kennenlernen
  • auf den Kurs einstimmen
  • Fragen klären
M1: Ich bau mir meine Organisation – Organisationsstrukturen (Salzburg, 16.-17.10.21)

Worum es geht:
Ob Verein, Netzwerk oder informelle Gruppe: Immer, wenn Menschen gemeinsam an einem Ziel arbeiten, stellen sich Fragen der Organisierung. Wie wird die Arbeit aufgeteilt? Wer trifft welche Entscheidungen? Welche (Arten von) Treffen gibt es? Wo werden Protokolle abgelegt? Wer ist für Neuzugänge zuständig? Und so weiter. Wir beschäftigen uns mit verschiedenen Arten, Organisationen aufzubauen und zu stukturieren. In selbstorganisierten Gruppen sind auch die Fragen nach Hierarchien und (informellen) Machtstrukturen besonders relevant. Darüber hinaus thematisieren wir Schnittstellen zu Strategie(entwicklung) und Vision eurer Gruppe und stellen ein Tool vor, mit dem ihr eure Struktur und Abläufe übersichtlich darstellen könnt.

Lernziele:

  • Ihr habt ein Verständnis davon, wie Gruppen und Organisationen aufgebaut sein können und wie diese Struktur mit euren Zielen und eurer Strategie zusammenhängt
  • Ihr kennt den Organisations-Baukasten vulgo „OS-Canvas“ und kennt seine Vorteile und Schwachstellen
  • Ihr lernt von Praxisbeispielen und anderen Gruppen über deren Struktur, Abläufe und Entscheidungsmethoden und habt lernt verschiedene Perspektiven auf Hierarchien und Rollen (z.B. Konzepte wie shared leadership) kennen.
M2: Wie ein Haufen Menschen zur Arbeitsfähigen Gruppe wird – Dynamiken in Gruppen (online, 29.-30.10.21)

Worum es geht:
Wenn mehrere Menschen zusammen kommen, entstehen immer gewisse Dynamiken, die mal dazu führen, dass „alles flowed“, mal dass immer wieder die selben Konflikte aufkommen und mal die Gruppe intern gespalten ist. In diesem Modul beschäftigen wir uns mit diesen Dynamiken um sie einzuordnen und zu verstehen um in den eigenen Kontexten besser damit umgehen zu können. Wir werden mit unterschiedlicher Tools arbeiten, wie zB. der Themenzentrierte Interaktion (TZI), der gruppendynamischen Trainingsgruppe (T-Gruppe) oder der kollegialen Fallberatung nach Balint. Macht und Privilegien, als Ursprung immer-präsenter Dynamiken werden auch in diesem Modul thematisiert.

Lernziele:

  • Verstehen von Phasen der Gruppenbildung und Funktionen in Gruppen
  • Reflexion der eigenen Rolle in Gruppen
  • Reflexion von Macht und Hierarchie in Gruppen, Privilegiencheck
  • Einordnung gruppendynamischer Geschehnisse in der eigenen Gruppen
  • Selbstständige Anwendung kollegialer Fallberatung
M3: Tipping Points (Linz, 12.-14.11.21)

Worum es geht:
Tipping Points ist ein von Humus veranstaltetes Workshopwochenende für Skills und Methoden für soziale Bewegungen. Ergänzend zu den Workshops gibt es Rahmenprogramm und Vernetzungsmöglichkeiten. Planmäßig findet Tipping Points in Linz statt, sollte das Corona-bedingt nicht möglich sein, wird auf online umgestellt.

Damit Tipping Points als Modul für den Basiskurs gewertet wird, müsst ihr 2 bis 3 Workshops aus dem Programm wählen, je nach euren Bedürfnisse und Interessen. Einige Workshops sind als Vertiefung einzelner Aspekte der Module zu sehen – andere sind Einführungen, die im Basiskurs ebenfalls vorkommen und die somit nicht gedoppelt werden müssen. Wer Hilfe bei der Auswahl möchte, kann sich im Basikurs Vertiefungraum beraten lassen.

Alle Basiskursteilnehmer*innen bei Tipping Points bilden eine Bezugsgruppe und sollen am und nach dem Wochenende die Workshops nachbesprechen und Learnings teilen.

Das Programm von Tipping Points ist hier zu finden: https://tippingpoints.life/workshopprogramm/

M4: Tu‘ gutes und sprich darüber! Öffentlichkeitsarbeit und Mobilisierung (online, 19.-20.11.21)

Worum es geht:
Im ersten Block über Mobilisierung geht es um die Frage: wie können wir Menschen aktivieren, um für unsere Anliegen aktiv zu werden. Wir besprechen Unterschiede zwischen (Massen-)Mobilisierung, Organizing, tiefes und breites Engagement sowie psychologische Hürden für die aktive politische Beteilung.

Der Hauptteil zu Medienarbeit startet mit Strategiefragen: eine/eure Theory of Change und die Frage, wen ihr eigentlich erreichen wollt, dienen als Basis für die Entwicklung eines Narrativs. Wir setzen uns mit Framing und Story Telling auseinander und lernen praktische Tools kennen. Wir erarbeiten uns gemeinsam, worauf es bei Social Media und bei klassischer Pressearbeit ankommt und wie wir unsere Botschaften in den (Massen-) Medien unterkriegen.

Lernziele:

  • Ihr setzt euch mit euren Zielgruppen und Key Messages auseinander
  • Ihr habt ein Verständnis von Narrativen, Framing und Geschichten
  • Ihr lernt wie die Medien ticken und wofür ihr sie nutzen könnt (und wofür nicht)
  • Ihr könnt Pressemitteilungen verfassen und konkrete Schritte in der Öffentlichkeitsarbeit planen
M5: Kenne deine Rechte; analog und digital! (online, 3.-4.12.21)

Worum es geht:
Freitag Abend bekommst du einen Überblick über die rechtliche Grundlagen, die beim politischen Arbeiten wichtig sind. Verwaltungsrecht, Strafrecht, Zivilrecht … Welche Gesetze könnten dir in die Quere kommen, was darfst du, wo musst du aufpassen? Was darf die Polizei und wie kannst du dich vor Repression schützen?

Am Samstag geht es vor allem um Bedrohungen im digitalen Raum. Wer bedroht mich da? Was kann mit mir und meinen Daten passieren? Wie kann ich mich schützen und was, wenn wir das alles egal ist? Anhand des Konzept von Threat Modelling wird eine Mischung aus theoretischem Input und praktischer Auseinandersetzung mit dem Thema aufbereitet.

Lernziele:

  • Überblickswissen über relevante Gesetze
  • Verständnis über Anti-Repressionsmaßnahmen, Schutz der Privatsphäre und Meinungsfreiheit
  • Bedrohungen im digitalen Raum analysiere und einschätzen
  • Auseinandersetzung mit der eigenen Situation
  • erste Schritte zum persönlichen Schutz im digitalen Raum, bzw. Wissen darüber, wo Unterstützung zu bekommen ist
M6: Vor lauter Aktionen die Strategie nicht mehr sehen (online, 17.-18.12.21)

Worum es geht:
Oft sind wir mit dem „Tagesgeschäft“ sehr beschäftigt – wie immer es ausschaut. Da bleibt oft wenig Zeit, sich über die Ziele, Veränderungstheorien, die Problemanalyse, Interventionspunkte oder die kluge Wahl der Taktiken Gedanken zu machen. In diesem Modul geht es genau um diese Themen. Die übergreifende Frage ist: Wie genau versuchen wir, systematisch unsere Ziele zu erreichen? (Was natürlich voraussetzt zu wissen, was die Ziele sind.)

Wir sprechen über den Movement Action Plan, Pillars of Power, Kampagnen, Zieldefiniiton, Verbündetenanalyse, Theories of Change und Prinzipien für erfolgreiche Aktionen. Obendaruf gibt‘s Reflexionen über hierarchiekritische Strategieentwicklung und Austausch über eure praktischen Erfahrungen. Aktuelle Fallbeispiele sind dabei sehr willkommen.

Lernziele:

  • Verständnis der Gundbegriffe und Konzepte (z.B. Strategie, Taktik, Ziel, Theory of Change, Kamagne, Eskalation, etc.) und ihr Bedeutung im Kontext Sozialer Bewegungen.
  • Besseres Verständnis von sozialem Wandel, Bewegungen, Protestzyklus und verortung der eigenen Gruppe bzw. des eigenen Projekts darin.
  • Konkrete Anwendung von Tools und Methoden zur möglichst klaren Definition bzw. Sammlung von: Vision, Zielen, Veränderungstheorien, Interventionspunkten, Zielgruppen, Taktiken.
  • Je nach aktuellem Projekt/Vorhaben habt ihr danach eine klarere Strategie (oder zumindest Bausteine davon). Wenn ihr ein aktuelles oder geplantens Projekt aus eurem Kontext mitbringt, wirds auf jedenfalls richtig praktisch!
M 7: Finanzen Wäh! Finanzen Hä? Finanzen Yeah! (online, 7.-8.1.22)

Worum es geht:
Geld, Kapitalismus, Präkariat. Umgang mit Geld in sozialen Bewegungen und Projekte ist immer schwierig. Meist gibt es zu wenig, machmal zu viel auf Einmal, niemand will sich drum kümmern und am Ende gibts desswegen auch noch Konflikte. Nach einer philisophischen und ethischen Auseinandersetzung mit dem schwierigen Thema Geld, wenden wir uns der Gesaltung von Geld für unsere Zwecke zu. Finanzpläne aufstellen, Anträge schreiben, Buchhaltung führen, Projekte abrechnen, Berichte schreiben … alles unbeliebte und verantwortungsvolle, aber wichtige Aufgaben, die das Bestehen unserer Bewegung sichern.

Lernziele:

  • Selbstbewusstsein für Finanzarbeit
  • Auseinandersetzung mit dem Ambivalenzen rund um Finanzarbeit
  • Überblickswissen über Finanzbeschaffung, Verwaltung und Abrechnung 
  • Kennenlernen vom EU-Antragswesen
  • Tipps für die Buchhaltung
M8: Stay Rebel! – Nachhaltiger Aktivismus (Salzburg, 22.1.22)

Worum es geht:
Unser Engagement für eine bessere Welt kann nicht nur ganz schön herausfordernd und anstrengend sein. Durch die Dynamik mit nie endender Fülle an Aufgaben, hoher Dringlichkeit und starke Identifikaiton mit den Themen sind wir auch noch stark gefärdet, über unsere Grenzen zu gehen. Burnouts, Überlastungen, Selbstausbeutung sind in selbstorganisierten progressiven Gruppen weit verbreitet. Dabei ist nachhaltig Aktiv sein nicht nur eine Frage der eigenen psychisch-sozialen und physischer Gesundheit, sondern auch in strategischer Hinsicht für unsere Bewegungen äußerst relevant. Damit wir gemeinsam, langfristg mehr erreichen beschäftigen wir uns hier mittels Inputs und praktischer Übungen mit den Themen: Stress und Burnout, Selbstfürsorge und kollektiver Resilienz.

Lernziele:

  • Verständnis vom Konzept “Nachhaltiger Aktivismus” und seiner individuellen und gesellschaftlichen Bedeutung.
  • Kennenlernen von eigenen Grenzen und Mustern, Antreibern, Stressfaktoren, Gegenmaßnahmen, Selbstfürsorgepaxen und Bedürfnissen.
  • Gruppendynamiken erkennen und hinterfragen können
  • Konkrete Übungen kennen lernen

Anreise ist wieder am Freitag Abend möglich.
Samstag Abend feiern wir gemeinsam den Abschluss.

Abschluss (Salzburg, 23.1.22)

Beim physischen Abschlusstreffen werden wir den Basiskurs mit all seinen Modulen Revue passiere lassen, unsere Highlights und Lowlights austauschen und haben Raum für individuelles Feedback. Der Abschluss ist uns wichtig, damit ihr als Gruppe gut eure gemeinsame Arbeit beenden könnt.

Außerdem bekommt ihr eine Bestätigung für eure Teilnahme am Kurs.

Zusätzlich, optional: Vertiefungsräume, online

Wir wissen, dass neu Gelerntes vor allem dann wirklich ins Bewusstsein einsickert, wenn es angewandt und darüber gesprochen wird. Außerdem sind der Erfahrungsaustausch und die offene Debatte ebenfalls wichtige Elemente im Kurs. Daher gibt es ein Mal im Monat einen nicht-verpflichteten „Vertiefungsraum“, der individuell gestaltet werden kann, aber die jeweils letzten beiden Module thematisiert. Es bieten sich folgende Möglichkeiten an:

  • Eine Person vom Humus-Team wird stets anwesend sein um etwaige Fragen zu beantworten
  • Lerntagebücher können befüllt, gelesen und reflektiert werden
  • Es gibt Zeit, Vertiefungsübungen zu machen
  • Bezugsgruppen können sich treffen und quatschen
  • Teilnehmer*innen können selbst Kurz-Inputs zu verschiedenen Themen anbieten
  • Die Teilnehmer*innen können sich selbst zu kollegialer Fallarbeit organisieren

Die Termine der Vertiefungsräume sind:

  • Fr., 5. November, 18:00 – 20:00
  • Fr., 26. November, 18:00 – 20:00
  • Fr., 11. Dezember, 18:00 – 20:00
  • Fr., 14. Jänner, 18:00 – 20:00

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